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(Thema erstellt am:
14/10/2026 11:46 nachm.
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SmartThoughts
MegaStar
last edited
14/10/2026 11:46 nachm.
Manchmal liegen im Winter vier wilde Füchse im Halbkreis vor meinen Füßen und schlafen so tief, dass ich sie schnarchen höre. Vier Wildtiere, die jederzeit aufstehen und verschwinden könnten - und die sich doch aus freien Stücken dafür entscheiden, mir so nahe zu sein.
Für die meisten Menschen sind Füchse scheue Waldbewohner, die man höchstens für einen flüchtigen Augenblick zu Gesicht bekommt. Für mich sind sie längst vertraute Weggefährten, deren Familie ich schon seit mehreren Generationen kenne.
Einer von ihnen ist dieser Fuchs. Ich kenne ihn, seit er noch ein winziger Welpe war. Inzwischen gehört er zu den älteren Semestern und macht es sich gerne gemeinsam mit einer kleinen Fähe zu meinen Füßen bequem. Manchmal schlafen die beiden dort eine ganze Stunde lang, völlig entspannt und ohne jede Scheu.
Jeder dieser Füchse hat seinen ganz eigenen Charakter. Er ist inzwischen etwas ruhiger und besonnener geworden, und wir beide übernehmen meistens die Rolle der Aufpasser, während die Jüngeren allerlei Unsinn anstellen. Die sind nämlich ausgesprochen frech und klauen alles, was nicht sicher im Rucksack verstaut ist - letztes Mal war es mein Fernglas! Besonders meine Schnürsenkel haben es ihnen angetan. Zeitweise muss ich fast jede Woche neue einziehen, weil die kleinen Räuber sie mit ihren Zähnen abreißen. Offenbar gehört eine gewisse Zerstörungswut zur fuchsigen Vorstellung von Zuneigung.
Sein Vater war im vergangenen Jahr noch bei uns und wich mir kaum von der Seite. Selbst am helllichten Tag setzte er sich ganz selbstverständlich neben mich, als wäre es das Natürlichste der Welt. Vorbeikommende Spaziergänger fragten mich dann gelegentlich, was das denn für eine Hunderasse sei! Dass es sich um einen wilden Fuchs handelte, wollten manche zunächst gar nicht glauben.
Inzwischen ist sein Vater nicht mehr da, und ich vermisse diese besonderen Momente mit ihm. Doch manchmal, wenn sein Sohn neben mir liegt und mich mit diesem vertrauten Blick anschaut, habe ich das Gefühl, ein kleines Stück seines Vaters ist geblieben.
Über die Jahre sind mir diese Füchse unglaublich ans Herz gewachsen. Ich habe mehrere Generationen aufwachsen sehen, ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten kennengelernt, ihre Streiche erlebt und mich von manchen verabschieden müssen. Sie sind ein vertrauter Teil meines Lebens geworden, ohne jemals ihre Freiheit verloren zu haben.
Und genau das macht diese Beziehung für mich so besonders. Es sind keine Haustiere. Sie gehören niemandem, lassen sich zu nichts verpflichten und können jederzeit ihre eigenen Wege gehen. Trotzdem kommen sie immer wieder, suchen meine Nähe und legen sich manchmal so dicht vor mich, dass ich ihren ruhigen Atem hören kann.
Das Vertrauen eines Wildtieres kann man weder erzwingen noch kaufen. Es entsteht über viele Jahre, durch Geduld, Respekt und die Bereitschaft, die Tiere so zu akzeptieren, wie sie sind.
Vielleicht sind es gerade deshalb diese unscheinbaren Augenblicke, die mir am meisten bedeuten: irgendwo draußen im Wald zu sitzen, während um mich herum die Füchse friedlich schlafen und für eine Weile nichts weiter wichtig ist.
Sie schenken mir ihr Vertrauen. Und ich darf für eine kleine Weile Teil ihrer Welt sein.